Dominique Hurth
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Die Künstlerin Dominique Hurth hat für die Räume des Württembergischen Kunstvereins eine neue Präsentation ihres langjährigen künstlerischen Forschungsprojekts zur weiblichen NS-Täterschaft entwickelt. Ausgangspunkt ist dabei
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Die Künstlerin Dominique Hurth hat für die Räume des Württembergischen Kunstvereins eine neue Präsentation ihres langjährigen künstlerischen Forschungsprojekts zur weiblichen NS-Täterschaft entwickelt. Ausgangspunkt ist dabei die Figur der Aufseherin im Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück. Der Titel geht auf eine Anordnung des Lagerkommandanten Max Koegel aus dem Jahr 1942 zurück.
Im Lager Ravensbrück, das zugleich als zentrale Ausbildungsstätte des weiblichen Wachpersonals aller Konzentrationslager diente, arbeiteten zwischen 1939 und 1945 rund 3.340 meist junge Frauen als Aufseherinnen, die der SS vertraglich unterstellt waren. Für ihren oftmals gewaltvollen Einsatz erhielten sie Privilegien und eine gewisse Unabhängigkeit.
Hurth widmet sich in der Ausstellung drei zentralen Aspekten: den Uniformen der KZ-Aufseherinnen, der Textilproduktion in Ravensbrück sowie den NS-Kriegsverbrecher*innenprozessen in Lüneburg (Belsen-Prozess, 1945), Hamburg (Ravensbrück-Prozesse, 1947–1948) und Düsseldorf (Majdanek-Prozess, 1975-1981).
Die Uniformen werden im Hinblick auf ihre Repräsentationen von Geschlecht und Status sowie auf ihre Wechselbeziehungen zur damaligen Mode und Modeindustrie befragt. Diese, ebenso wie Häftlingskleidung und Frontuniformen, wurden in Ravensbrück unter den Bedingungen von Zwangsarbeit produziert, deren ökonomische, logistische und gewaltförmige Strukturen Hurth beleuchtet. Die NS-Prozesse unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg sowie in den 1970er bis 1980er-Jahren geben schließlich Einblicke in den gesellschaftlichen Umgang mit und die Selbstdarstellung von NS-Täterinnen – ein Thema, das bis heute weitgehend tabuisiert ist. Hurth geht den Gerichtsverhandlungen über Sprache, Architektur und Fotodokumentationen nach.
Als Gesamtarrangement konzipiert, zeigt die Ausstellung neben bereits bestehenden Elementen auch neue Werke. Sie umfasst textile und architektonische Installationen, die etwa auf einen Webstuhl oder Gerichtssaal verweisen, Zeichnungen, Texte, Dia- und Videoprojektionen sowie historische Dokumente. Zudem zeigt sie eine Auswahl an Zeichnungen und Malereien von Violette Lecoq und Ceija Stojka, die Häftlinge in Ravensbrück waren.
All diese Elemente bilden eine vielschichtige Erzählung über weibliche Täterschaft, die eine einfühlsame und zugleich kritische Annäherung an das Thema erlaubt.
