Über das Haus der Geschichte Baden-Württemberg

Lebendige Geschichte, aufwendig inszeniert in einem modernen Gebäude an der Stuttgarter Kulturmeile: Das Museum bildet von Napoleon bis zum Stuttgart-21-Bauzaun mehr als 200 Jahre Landesgeschichte ab und gibt einen Überblick über die vielen Facetten Baden-Württembergs – von der Wirtschaft über die Wissenschaft bis zur Religion. 1400 Originalobjekte und rund 1000 Fotos, zahlreiche Geschichten, Filme und Infostationen begeistern, machen Spaß oder regen zum Nachdenken an. Die Wechselwirkung zwischen den Ausstellungsstücken und den inszenierten Räumen prägen die Dauerausstellung und alle Sonderausstellungen des Hauses in besonderer Weise – sie sind „Erlebnisräume“.

Ausstellungsvorschau

Liebe. Was uns bewegt

Große Landesausstellung im Haus der Geschichte Baden-Württemberg
14. Oktober 2022 bis 23. Juli 2023. Der dritte Teil der Ausstellungstrilogie Gier.Hass.Liebe.

Liebe. Macht. Geschichte: Das Finale der Emotionen-Trilogie widmet sich dem schönsten aller Gefühle, seiner verbindenden, manchmal jedoch zerstörerischen Kraft.

Die Große Landesausstellung beginnt im Jahr des 70. Geburtstags Baden-Württembergs. Sie blickt darauf, wie Liebe die Menschen im Land zusammenhält und stärkt, aber auch verboten oder fanatisch sein kann.

Die Geschichten erzählen von Liebe über soziale und geographische Grenzen hinweg. Sie zeigen Menschen, die sich still der Nächstenliebe oder höchst auffällig der Liebe zur Erde verschreiben. Ein Aktivist aus Rot an der Rot riskierte bei spektakulären Aktionen Leib und Leben – etwa beim Protest gegen Atomwaffenversuche in den 1980-er Jahren mit einem Ballonflug von West- nach Ostberlin oder mit einer Bootsfahrt im Sperrgebiet um Moruroa im Südpazifik.

Doch wo Liebe ist, sind andere Gefühle ganz nah. Die Überhöhung der eigenen Region schürt oft die Verachtung von Nachbarn oder Bevölkerungsgruppen. In der schlimmsten Zeit des Hasses bedeutete Liebe oft Abschied. 1939 ließen jüdische Eltern ihre Tochter mit einem Kindertransport in die Schweiz bringen und retteten ihr damit das Leben. Die Eltern starben in Auschwitz. Dem Mädchen blieb nur ein einziges Erinnerungsstück an sie, das in der Ausstellung zu sehen ist.

Auf Liebe gegen Hass setzten die Solidaritätsaktionen von Weissachern nach dem Brandanschlag auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft in ihrem Ort im Jahr 2015. Sie hinterließen nicht nur bunte Handabdrücke einer Kunstaktion, sondern auch Neubau einer Unterkunft für Geflüchtete.

Echte Liebe zum Land lässt sich allerdings nicht steuern – erst recht nicht mit einem verkrampften Versuch, einen Bindestrich zu emotionalisieren. Die Suche nach einer Baden-Württemberg-Hymne und deren TV-Präsentation 1986 wirken unfreiwillig komisch.

Lust und Begierde lebten Rudolf Schlichter und Elfriede Köhler vor hundert Jahren recht offen aus. Die Vorlieben des Künstler-Ehepaars dürften damals wie heute viele als verstörend empfinden. Befremdlich wirken die Versuche in den 1970-er Jahren, Kindesmissbrauch in Liebe und „Verbrechen ohne Opfer“ umzudeuten. Ein König wiederum liebte sein Ross mehr als seine Gemahlin, was das Pferdeskelett eindrucksvoll dokumentiert.

Das Private hat dabei oft eine politische Bedeutung. Die Ausstellung widmet sich der gesellschaftlichen Wirkung der Liebe: Wie kann sie eine politische Kultur unterstützen, die sich gegen Ausgrenzung und Entwertung von Menschen stellt? Wie hilft Liebe, die Vorstellung von Gerechtigkeit und Werten in einer liberalen Gesellschaft zu stärken? Wie könnte sie Spaltung und Zerfall verhindern?

Öffnungszeiten

täglich (außer montags): 10–18 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr

Kontakt

Telefon: 0711 212 39 89
besucherdienst@hdgbw.de

Adresse

Haus der Geschichte Baden-Württemberg
Konrad-Adenauer-Straße 16
70173 Stuttgart

Anfahrt

U2, U3, U4, U5, U6, U7, U12, U15 und Bus 42, 43, 44 Charlottenplatz

Karteninfos

Kostenfreier Eintritt in die Ausstellungen gegen Vorlage der Bonuscard + Kultur an der Museumskasse.

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