Lutz Schelhorn

Die Situationen von wohnungslosen Menschen durfte ich während meiner langen und intensiven fotografischen Arbeit zusammen mit Minderheiten und Randgruppen in Stuttgart recht gut kennen lernen. Relativ gut versorgt, was das tägliche (Über-)Leben abdeckt, schlecht gestellt mit Allem was das Herz und den Geist betrifft. Ob das eine Tageszeitung oder ein Zeichenblock, ein Schwimmbad oder ein Museumsbesuch sein sollte, wenige haben sich um die kulturellen Belange und die damit verbundene gesellschaftliche Integration wohnungsloser Menschen gekümmert. Und die Situation der Wohnungslosen ist vergleichbar mit der von Menschen mit geringem Einkommen. Ein täglicher (Existenz-)Kampf, auch um Teilnahme am gesellschaftlichen Leben.

Ganz klar sehe ich den Verein als große Bereicherung für Stuttgart. Auch ich freue mich jedes Mal riesig, wenn ich das neue Booklet mit den Angeboten in den Händen halte und sehe, wie sich alles weiterentwickelt und wer inzwischen alles dabei ist!

Der Verein hat sich die letzten zehn Jahre als sehr standhaft und durchsetzungsfähig erwiesen. Ich kann mich noch gut an Zeiten erinnern, in denen die Notwendigkeit einer solchen Initiative in dieser so reichen Stadt, von Einigen als nicht unbedingt förderungsfähig eingestuft wurden. 

Auch die gesellschaftliche Relevanz des Angebotes schätze ich als sehr hoch ein. Gerade wir Stuttgarter bezeichnen uns selbst als weltoffen und fortschrittlich. Da kann es nicht sein, dass Menschen - egal aus welchen Gründen - von unserem kulturellen Zusammenleben ausgeschlossen sind! Ich wünsche „Kultur für Alle“ weiterhin dieses zurückhaltende, aber weitsichtige und effektive Engagement und die Überzeugungskraft, weitere Partner für dieses in unserer Stadt so wichtige Projekt zu gewinnen.

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